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Krise?

Der Konflikt mit T. setzt mir zu. Mehr als ich zugebe. Immer wieder breche ich in Tränen aus. Und für die Stimmen ist das ein gefundenes Fressen.

Lou gibt T. recht. Ich bin ein schlechter Mensch. Ich kann nicht mit Menschen umgehen. Ich bin überfordert mit Toby und schaffe es nicht, mich um ihn zu kümmern. Ich bin ein Nichts. Ich bin wertlos. Ich bin nicht einmal den Sauerstoff wert, den ich einatme. Es wäre am besten für alle, wenn ich tot wäre.

Anil findet auch, ich soll mich umbringen. Die Kritik der anderen ist vollkommen gerechtfertigt, ich soll und darf mich nicht wehren. Ich bin viel zu schwach. So schwache Menschen dürfen nicht existieren.

Ich bin traurig, suizidal und hoffnungslos.

Ich überlege, ob ich für ein paar Tage ins KIZ gehen soll. Nur, um ein bisschen Abstand zu haben und die Energie für die Stimmen aufzuwenden, statt mich mit T. zu streiten. Ich bin nicht die starke Person, die sich für sich selbst einsetzt.

Andererseits sollte ich am Mittwoch arbeiten und am Donnerstag wollte ich eigentlich zu einer Tagung gehen zum Thema Stimmenhören. Das will ich mir eigentlich nicht versauen lassen.

Ich werde jetzt erstmal eine Nacht darüber schlafen und dann weiterschauen.

 

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Ringen mit T. – Runde 3

Das Ringen mit T. geht in die dritte Runde. Sie hat mir heute eine Email geschrieben, die ich euch nicht vorenthalten möchte. T.’s Text ist intendiert, meine Antwort an sie in normaler Schrift.

Liebe T.,

Herzlichen Dank für dein ausführliches Feedback. Ich möchte kurz dazu Stellung nehmen.

gerne möchte ich Dir eine kurze Rückmeldung über unser letztes Gespräch geben.

Ich empfand Deine Beleidigungen als unangenehm und denke ich habe nicht über- sondern eher unterreagiert.

Im Normalfall würde ich bei solchen Ausdrucksformen dem Gegenüber eine Grenze setzen. Ich empfand es aber bei Dir, aus Deiner Situation heraus, eher als gut.

Der therapeutische Prozess löst einiges in Dir aus und Dich auf diese Art auszudrücken kann ein Fortschritt sein, wenn es nicht als Dauerzustand bleibt.

Ich erlebe Du nimmst mehr an Aktivitäten teil und bist präsenter, das schätzen wir sehr. Doch mischt Du Dich auch mehr in Dinge die Dich nichts angehen.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals wiederholen, was ich gesagt habe, damit keine Missverständnisse aufkommen:

Ich habe gesagt, dass die Chemie zwischen uns nicht stimmt. Da kannst weder du noch ich etwas dafür. Das gibt es einfach zwischen zwei Menschen. Man kann nicht mit allen Leuten gut auskommen und man kann das Vertrauen einer Person nicht erzwingen.

Ich habe auch gesagt, dass ich dir dankbar bin für alles, was du für mich getan hast (dass du dich dafür eingesetzt hast, dass ich einen Hund haben darf, dass du meine Abschlussarbeit für die Peer-Ausbildung korrigiert hast, dass du dir Zeit genommen hast, einen angepassten Arbeitsvertrag für mich aufzusetzen, dass du mit mir zusammen eine Zielvereinbarung definiert hast und dass du dich mit dem Thema Stimmenhören auseinandergesetzt hast). Ich denke aber, das gehört zu deinem Job, ausser vielleicht das korrigieren der Arbeit. Und ich habe dich nicht gebeten, all das für mich zu tun. Ich finde das unfair, dass du mir das vorhältst.

Ausserdem habe ich gesagt, dass ich es unprofessionell finde, wie du über N. gesprochen hast. Du hast mir erzählt, dass sie mit ihren Bezugspersonen überfordert ist. Du hast mir viele Details genannt, die ich an dieser Stele nicht wiederholen werde. Ich habe selber in einer leitenden Position in einer Firma gearbeitet und ich hätte nie schlecht über einen Mitarbeiter gesprochen. Als Chefin muss man hinter seinen Mitarbeitern stehen. Ich weiss, du hast gesagt, das gehört zu der Unternehmenskultur und du bist einfach nur „transparent“. Ich finde das trotzdem N. gegenüber unfair.

Ich hatte ein ausgesprochen konstruktives Gespräch mit Sab.

Sie meinte es sei wichtig, dass Du selber nach einer Lösung suchst, bzw. eine geeignete Person, welche Dir die von Dir gewünschte Begleitung geben kann, selber suchst.

Wie ich sehe bist Du bereits sehr aktiv geworden. Ich werde Dir weiterhin als Bezugsperson zur Seite stehen, deinen Wunsch die BP zu wechseln jedoch in der Teamsitzung mit den Mitarbeitenden anschauen.

Herzlichen Dank dafür.

Gerne möchte ich zwei weitere Anliegen an Dich tragen.

Einerseits machen wir uns Sorgen um Deinen Hund. Es mangelt an Erziehung und er scheint ausgesprochen dünn zu sein. Bewohner/innen und Mitarbeitende haben Angst in Eure WG zu kommen, da der Hund bellend auf jeden losgeht! Auch haben Mitarbeitende erlebt, dass Du ihn von der Gabel und aus dem Teller fütterst und ich selber sehe ihn regelmässig auf dem Sofa!

Er ist ein Junghund, der in den letzten Monaten sehr gewachsen ist. Da ist es normal, dass er dünn ist. Er erhält genug Futter, mach dir deshalb keine Sorgen. Dass er bellt und das den Leuten Angst macht, verstehe ich. Ich versuche auch, ihm das abzugewöhnen. Aber er geht auf niemanden los. Ausserdem hat A.’s Hund auch immer gebellt und da hat niemand etwas gesagt.

Das mit dem Sofa und dem Füttern vom Teller und der Gabel habe ich verstanden. Darauf werde ich von jetzt an achten.

Im Moment sehen wir vor allem M. sich mit seiner Erziehung beschäftigen und auch in die Hundekurse gehen. Es ist jedoch nicht ihre Aufgabe, auch wenn sie dies gerne macht.

Das ist eine fiese Unterstellung und stimmt überhaupt nicht. Ich erziehe den Hund und nicht M. M. unterstützt mich, da sie viel Erfahrung hat, aber erziehen tu ich ihn. In der Hundeschule war auch immer ich. M. ist mitgekommen, weil sie sich dafür interessiert, in einer Hundeschule zu arbeiten. Aber alle Übungen und Aufgaben habe ich mit Toby gemacht.

Ich finde es auch unfair, dass du mit L. darüber sprichst, statt direkt zu mir zu kommen.

Als weiters haben wir verschiedene Bewohner welche zu uns kommen mit dem Anliegen, dass Du sie respektlos ansprichst.

Kannst du mir sagen wer? Ich spreche niemanden respektlos an. Du solltest mich eigentlich genug gut kennen, dass ich das nicht mache.

Ein konkretes Beispiel ist S.; Du sagst zu ihr regelmässig `Einhorn`, was sie verletzt. Andere Bewohner haben diesen Ausdruck bereits kopiert und foppen sie damit auch. S. hat Dir bereits persönlich mitgeteilt, dass sie das nicht mag. Ich möchte einen solchen Umgang auf dem Hof nicht und bitte Dich diese verbalen Attacken bleiben zu lassen.

Ich habe S. einmal gefragt, ob sie Einhörner mag und mir den Spass erlaubt, ihr zu sagen, sie könne doch einen Antrag schreiben für ein Einhorn. Ich habe sie weder Einhorn genannt noch kann ich mir vorstellen, dass andere Bewohner sie Einhorn nennen. Wir wissen beide, dass S. manchmal die Wahrheit verdreht.

Auch hier hätte ich eigentlich von B. erwartet, dass sie damit zu mir kommt und mit mir darüber spricht, statt dass du in einem Email alle Vorwürfe aufs Mal bei mir ablädst.

Wir alle können verstehen, dass Du in einer neuen und sehr herausfordernden Situation in Deinem Leben bist.

Das ist keine Entschuldigung und ich verstecke mich auch nicht dahinter.

Wir werden die Hundethematik ebenso an der Teamsitzung besprechen und Dir eine Rückmeldung geben.

Ich wünsche mir, dass ihr „fair“ seid und meine Antworten, die ich dir in diesem Email gegeben habe, mit einbezieht.

Bis dahin wäre ich froh, wenn Du Dir selber Gedanken darüber machstund mir eine Rückmeldung geben kannst.

Die Rückmeldung habe ich dir in diesem Email gegeben.

Ich werde für ein Gespräch morgen um 15.00 Uhr zu Dir kommen.

Ich fühle mich von deinen Vorwürfen sehr verletzt und weiss nicht, ob ich morgen für ein Gespräch zur Verfügung stehen werde.

Liebe Grüsse
Ut

 

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Ringen mit T. – Runde 2

Gestern hatte ich ein Gespräch mit T. Wir haben die Email besprochen, die ich ihr geschrieben habe. Sie hat mir erzählt, wieviel Zeit sie in mich investiert hat. Sie habe meine Abschlussarbeit für de Peer-Weiterbildung korrigiert, sie habe sich Zeit genommen, eine Zielvereinbarung mit mir zu erstellen, sie habe sich über das Thema Stimmenhören informiert, sie habe sich dafür eingesetzt, dass ich einen Hund bekomme. Sie habe so viel für mich getan.

Als ich dann angesprochen habe, dass ich gern mit N. zusammenarbeiten möchte, hat sie mir berichtet, dass N. schon mit ihren derzeitigen Betreuungspersonen überlastet ist. Sie habe keine Zeit für Ke., sei mit Ka. völlig überfordert, schaffe es nicht, sich um R. zu kümmern und müsse zusätzlich noch ein Konzept für irgendwas schreiben, dass sie bisher auch noch habe liegen lassen. Zu allem dazu kommt noch, dass sie dabei sei, ihr Sozialpädagogik-Studium abzuschliessen und deshalb überhaupt keine Zeit habe, mich zu übernehmen.

Da blieb mir erstmal die Luft weg. Ich hätte schon da reagieren müssen, aber irgendwie wusste ich nicht, was ich sagen sollte.

Wir beendeten das gestrige Gespräch damit, dass ich mir Gedanken darüber machen sollte, wie ich mir eine weitere Zusammenarbeit mit T. vorstelle und vereinbarten ein Gespräch für heute.

Heute war ich dann um einiges schlagfertiger.

Ich sagte, dass ich es nicht fair finde, wenn sie mir vorhält, was sie alles für mich getan habe. Natürlich sei ich dankbar, aber wenn es sie so belastet habe, hätte sie auch sagen können, dass es ihr zu viel ist. Ansonsten gehören diese Aufgaben jedoch auch zu ihrem Job (Ausser vielleicht die Arbeit korrigieren. Aber die Arbeit ist sechs Seiten lang und sie hat kaum Anmerkungen dazu gemacht, sondern einfach gesagt, sie sei gut so wie sie ist.). Ich habe gesagt, das fühle sich ein bisschen so an wie „Erpressung“. Das war vielleicht ein bisschen hart.

Was N. betrifft, so habe ich ihr gesagt, dass ich es unprofessionell finde, dass sie mir im Detail erzählt, was N. für Defizite hat. Das geht mich gar nichts an. Als Chefin sollte sie hinter ihren Angestellten stehen und nicht herumerzählen, dass N. mit ihrer Arbeit total überfordert ist.

Ich habe ihr auch gesagt, dass ich sie als Mensch und als Chefin weiterhin schätze und respektiere und dass sich meine Kritik nur auf ihre Aussagen bezieht und ich nicht ihre Person angreife. Es gehe mir nur darum, dass ich nicht mehr mit ihr als Bezugsperson zusammenarbeiten wolle, weil ich einfach das Gefühl habe, die Chemie stimmt nicht zwischen uns beiden.

Und dann war sie beleidigt. Und wie. Sie fühle sich von mir abgewiesen und zurückgestossen. Dabei habe sie sich so viel Mühe gegeben. Und sie rede überhaupt nicht schlecht über ihre Mitarbeiter, sondern sei einfach „transparent“, weil das zur Unternehmenskultur dazugehört.

Sie sagte dann, dass es eindeutig aussieht, wie wenn wir nicht mehr zusammen arbeiten könnten. So wolle sie auch nicht mehr mit mir arbeiten, wenn ich ihr solche Vorwürfe mache. Sie werde das Thema in der nächsten Teamsitzung besprechen.

So wie’s aussieht, bekomme ich also trotz allem eine neue Bezugsperson 🙂 . Ich hoffe nur, es wird N. sein…

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Chaos

In mir herrscht Chaos. Lou schreit. Chanita hat Panik. Anil spannt mit Lou zusammen. Ich habe wieder vermehrt Flashbacks und Albträume. Wache schweissgebadet auf.

Ich versuche, ruhig zu bleiben. Zu atmen.

Aber es klappt nicht.

Zum Glück habe ich Toby. Er gibt mir Halt. Mit ihm kann ich spazieren gehen. Ihn streicheln. Schmusen. Er holt mich zurück ins Hier und Jetzt.

Die Zeit verbringe ich in meinem Zimmer. Ich verkrieche mich. Kann nach aussen nicht mehr funktionieren.

T. habe ich gestern eine Email geschrieben. Sie hat geantwortet, dass sie enttäuscht ist. Dass ich aber meine Bezugsperson nicht einfach selber aussuchen kann.

Sab. ist diese Woche im Urlaub. Also muss ich es alleine schaffen.

Irgendwie geht es immer weiter.

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Betreuung

Seit P. nicht mehr da ist und Wo. gekündigt hat, ist T. meine Bezugsperson auf dem Bauernhof. Das Problem ist: T. ist die Leiterin des Wohnheims, sie ist immer sehr beschäftigt und hat kaum Zeit. Da ich im Moment in einer intensiven Phase in der Therapie bin, brauche ich auch auf dem Hof etwas Unterstützung. Jemand, der ab und zu nach mir schaut, mit dem ich reden kann, der da ist, wenn nichts mehr geht.

Eigentlich sollte das T. sein. Aber: Ich mag T. nicht. Ich vertraue ihr nicht, die Gespräche mit ihr bringen mir nichts. Ich habe nun lange hin und her überlegt und mir die Betreuer auf dem Hof genau angeschaut und bin zum Schluss gekommen, dass eine Mitarbeiterin, ich nenne sie N., für mich in Frage kommen würde. Da ich mich jedoch nicht getraut habe, sie zu fragen, hat M. sie für mich gefragt (ohne das mit mir abzusprechen).

Ich hatte daraufhin heute Morgen ein Gespräch mit N., in dem ich beschrieb, was ich mir von ihr wünsche und wie sie mich unterstützen könnte. Sie ging dann damit zu T. Und T. sagte Nein. Die Auswahl der Bezugsperson sei kein Wunschkonzert.

Jetzt bin ich grad total am Verzweifeln.

Ich habe Sab. angerufen und sie gebeten, mit T. Kontakt aufzunehmen, um einen Bezugspersonenwechsel zu veranlassen. Aber so wie ich T. kenne, wird sie ihren Kopf durchsetzen.

Es ist halt schwierig so ganz ohne Unterstützung auf dem Hof. Oft bin ich nach der Therapie ziemlich durch den Wind und brauche viel Zeit, um das Chaos in meinem Kopf wieder zu ordnen. Mit P. konnte ich das immer besprechen und er hat mir geholfen, die peanut gallery wieder auf ihre Plätze zu verweisen. Mit T. kann ich das nicht. T. erzähle ich nichts von der Therapie, auch nicht von den Stimmen. Mit T. rede ich nur über alltägliche Dinge, wie zum Beispiel wieviel ich arbeite und was ich wann mache.

Bei N. könnte ich mir vorstellen, eine tiefere Beziehung aufzubauen. Sie würde ich auch mit zu Sab. nehmen, so dass sie sich mal kennenlernen und sie erfährt, um was es in der Zusammenarbeit geht. T. habe ich ein Treffen mit Sab. verweigert. Ich habe es natürlich nicht so ausgedrückt, aber ich habe ihr einfach nicht angeboten, sie mitzunehmen.

 

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Boykott

Es kam, wie es kommen musste: Lou boykottiert die Therapie bei Sab. Ich darf nicht mehr mit ihr reden. Er hat den anderen Stimmen verboten, mit ihr zu kommunizieren. Er droht, mich umzubringen, dass alles noch schlimmer wird, dass mein Leben unerträglich wird. Er schreit und tobt. Ich. darf. nicht. reden.

Dabei habe ich so viele Fortschritte gemacht. Zum ersten Mal in der Therapie hatte ich das Gefühl, dass ich wirklich weiterkomme, dass die Arbeit über die „normalen“ Gespräche hinausgeht. Und jetzt das.

Lou lässt sich nicht beruhigen. Ich habe alles versucht. Ich habe ihm gesagt, dass er sich keine Sorgen machen muss, dass ich ihn nicht loswerden will. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn ernst nehme. Ich habe versucht, ihm die Angst zu nehmen. Es nützt nichts. Er schreit mich an, er ist dominant. Ich bin total absorbiert, kann kaum nach aussen funktionieren, verbringe viel Zeit im Zimmer und ziehe mich zurück.

Es ist wie in den schlimmsten Zeiten, als ich überhaupt keine Strategien und Fähigkeiten hatte, mit den Stimmen umzugehen. Ich bin enttäuscht von mir selber. Und ich weiss nicht, was ich tun soll. Ich fühle mich total ausgeliefert.

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Gespräch mit Chanita

Am Freitag war ich wieder bei Sab. Es war wieder eine sehr schwierige Sitzung. Diesmal hat Sab. mit Chanita gesprochen. Anfangs war es schwierig, mich darauf einzulassen, aber ich finde diese Arbeit wirklich wichtig und ich erhoffe mir, dass ich damit lernen kann, besser mit den Stimmen umzugehen und die Stimmen kennenzulernen.

Chanita hat sich bereit erklärt, mit Sab. zu sprechen. Sab. hat also einen Stuhl hingestellt und ein Bild von Chanita auf den Stuhl gesetzt. Dann fing sie mit dem Interview an. Zuerst fragte sie, wann Chanita in mein Leben getreten ist. Sie antwortete, dass dies in Thailand in der Klinik war, als ich in der Isozelle eingeschlossen war. Chanita hatte panische Angst und reagierte heftig darauf, wenn der Schlüssel sich im Schloss drehte.

Sab. fragte, was dann geschah. Daraufhin verstummte Chanita. Sie und ich wollten und konnten diese Frage nicht beantworten. Sab. liess uns Zeit, aber wir antworteten nicht. Nach einiger Zeit der Stille, führte Sab. das Interview weiter. Sie stellte viele Fragen und versuchte zu verstehen, was für eine Rolle Chanita in meinem Leben spielt.

Chanita warnt mich vor Menschen, die mir gefährlich werden könnten. Sie bestimmt, wem ich vertrauen kann und bei wem ich vorsichtig sein soll. Ich mag Chanita und ich vertraue ihr. Sie hat oft Angst und überträgt diese Angst auch auf mich. Natürlich bremst mich das in meinem Leben. Trotzdem brauche ich Chanita, sie ist eine Art Kompass in meinem Leben. Ausserdem empfinde ich sie wie eine gute Freundin, die ich nicht verlieren möchte.

In der Auswertung des Interviews meinte Sab,. dass Chanita ein Relikt der Vergangenheit ist. Heute ist ihre Angst oft unbegründet und sie bremst mich im Alltag. Die Idee ist, dass sie lernt, dass sich mein Leben verändert hat und dass ihr Warnsystem nicht mehr in diesem Ausmass nötig ist.

Ich denke, Sab. hat recht, Chanita soll mutiger werden, aber ich will sie nicht verlieren. Ich mag sie. und ich brauche sie.